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Ursachen der Unfruchtbarkeit
- Verminderte Zeugungsfähigkeit der Samenzellen: zu geringe Anzahl Samenzellen, ungenügende Beweglichkeit derselben, zuwenig normal aussehende Samenzellen. Häufig in Kombination.
- Gestörte Passage, so dass sich Ei- und Samenzelle nicht oder nur erschwert treffen und vereinigen können. Z.B. fehlende oder verschlossene bzw. schwergeschädigte Eileiter.
- Langdauernde Unfruchtbarkeit ungeklärter Ursache: trotz intensiver Abklärungen konnte kein ausreichender Grund für das Ausbleiben einer Empfängnis gefunden werden. Dauer des Kinderwunsches dabei i.d.R. über 3 Jahre.
- Endometriose: Inseln von Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter, z.B. in der Bauchhöhle. Diese können auf verschiedene Weise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Störungen der Eizellreifung, i.d.R. nur Zusatzproblem und nicht alleiniger Grund für die IVF, können meist medikamentös gut korrigiert werden.
- Kombination von 1. bis 5. und andere, seltene Ursachen.
mögliche Verfahren:
- Hormonunterstützung
- Insemination
- In Vitro Fertilisation (IVF): Befruchtung auf natürliche Weise, allerdings ausserhalb des Körpers. Hauptanwendung bei Eileiterschaden. Voraussetzung: ausreichende Anzahl beweglicher Samenzellen.
- Intra Cytoplasmatische Spermien Injektion (ICSI). Dabei wird eine ausgewählte Samenzelle mit feinsten Instrumenten unter Mikroskopsicht direkt in die Eizelle eingebracht/injiziert um eine sonst unwahrscheinliche oder unmögliche Befruchtung zu ermöglichen. Hauptanwendung bei Störungen der Samenqualität. Falls in der Samenflüssigkeit keine Samenzellen für die ICSI zu finden sind, kann versucht werden, Samenzellen mittels einer kleinen Operation (durch den Urologen) direkt aus dem Hoden zu gewinnen (sog. TESE-ICSI).
Erfolgsaussichten:
Diese sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine sehr wichtige Rolle spielt das Alter der Frau. Die Erfolgsaussichten nehmen nach dem 35. Lebensjahr ab und nach 40 sind sie nur noch gering. Frauen über 43 raten wir daher generell von einer Kinderwunschbehandlung ab.
Einige "Hürden" bis zur Schwangerschaft:
- es müssen nach Stimulation genügend "reife" Eizellen heranreifen und entnommen werden können
- von diesen müssen sich mehrere durch IVF oder ICSI befruchten lassen und normal entwickeln
- der Transfer, das Einbringen der Embryonen in die Gebärmutter sollte problemlos sein.
Am wichtigsten ist wahrscheinlich das Entwicklungspotential der Embryonen, die sog. Embryoqualität. Sich rasch teilende und "schön" aussehende Embryonen führen eher zu einer Schwangerschaft. Die Erfolgschance ist auch von der Anzahl transferierter Embryonen abhängig, z.B. ist diese bei Transfer nur eines Embryos deutlich geringer als bei dem von zwei, anderseits ist das Zwillingsrisiko zu berücksichtigen. Eine unter 35-jährige Frau hat nach Transfer von 2 "schönen Embryonen" eine Chance von etwa 25 - 30% (1:3-4) auf eine Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Zwillingsschwangerschaft wird, liegt ebenfalls bei 20-25%. Kumulativ, d.h. nicht selten nach mehreren Versuchen, was einiges an Durchhaltewillen voraussetzt, können bis zu 50% aller Paare ein Kind erwarten. Eine über 40-jährige Frau hat nach Transfer von zwei Embryonen eine Chance von unter 10%.
Ein Teil der resultierenden Schwangerschaften endet leider als Fehlgeburt, meist während der ersten 10 Wochen. Ältere Schwangere weisen ein höheres Abortrisiko auf, über 40-Jährige bis über 30%. Die Fehlgeburten sind meist durch chromosomale Anomalien der Embryonen bedingt, welche mit dem mütterlichen und auch väterlichen Alter häufiger werden. Die Chancen nach dem Transfer von Embryonen aus aufgetauten befruchteten Eizellen werden meist als etwas geringer angesehen. Rauchen verringert in jedem Falle die Erfolgschancen eines Transfers !
Risiken und Komplikationen bei IVF/ICSI-Behandlungen:
- Mehrlinge
Etwa jede 5. Geburt nach Transfer von zwei Embryonen ist eine Zwillingsgeburt. Jede Zwillingsschwangerschaft ist eine RISIKOSCHWANGERSCHAFT, d.h. das Risiko für Mutter und Kind ist verglichen mit Einlingsschwangerschaft erhöht. Für die Mutter: verschiedene Probleme treten bei Zwillingsschwangerschaft und -geburt häufiger auf (z.B. hoher Blutdruck, Diabetes, Notwendigkeit längerer Bettruhe, häufig Kaiserschnitt). Für die Kinder besteht v. a. das Risiko der Frühgeburt mit allen Folgeproblemen (z.B. Notwendigkeit der Intensivbehandlung nach Frühgeburt, ev. sogar bleibende Behinderungen). Zwillinge bedeuten auch nach der Geburt in mancher Hinsicht eine "doppelte" Belastung.
Nach dem Transfer von 3 Embryonen kann es sogar zu Drillingen kommen! Drillingsschwangerschaften sind in jeder Hinsicht eine extreme Belastung und sollten deswegen, wenn immer möglich, vermieden werden. Dies geschieht dadurch, dass nur noch in Ausnahmefällen 3 Embryonen transferiert werden (z.B. Frau über 39 Jahren oder Zustand nach mehreren erfolglosen Transfers).
- Überreaktion der Eierstöcke auf die verabreichten Hormone (Hyperstimulationssyndrom = HSS)
Ein Teil der Frauen reagiert übermässig stark auf die zur Anregung (Stimulation) der Eierstöcke verabreichten Medikamente. Risikofaktoren sind zum Teil bekannt. Jüngere Frauen, in deren Eierstöcke sehr viele Eibläschen heranreifen, sind z.B. dafür disponiert. Die punktierten und entleerten Follikel wandeln sich dabei zu Zysten um und es kann dadurch zu einer beträchtlichen Vergrösserung der Eierstöcke kommen. Die Gefässe auf diesen können für die Blutflüssigkeit durchlässig werden. Die Frau verliert dann Blutflüssigkeit in die Bauchhöhle. Dadurch kann es zu Beschwerden (Bauchschmerzen, Dickerwerden des Bauches, speziell Zunahme des Bauchumfanges, Störungen der Darmfunktion und ev. Atembeschwerden) und Komplikationen wie Gerinnselbildung und Störung von Organfunktionen kommen. Das schwere HSS (Häufigkeit: ca. 1%) ist gut behandelbar und klingt nach einiger Zeit von selbst ab. In schweren Fällen ist allerdings eine Hospitalisation nicht zu umgehen. Es ist sehr wichtig, dass Sie uns eventuelle Symptome (mögliche Zeichen) des HSS rechtzeitig mitteilen (siehe dazu auch in: Empfehlungen zum Verhalten nach Embryotransfer).
- Risiken für das Kind (ausser Mehrlingsrisiko, siehe oben)
Inzwischen sind nach IVF/ICSI weltweit etwa 3 Mio. Kinder geboren worden. Diese Kinder entwickeln sich nicht anders als auf übliche Weise gezeugte. Das Risiko für Fehlbildungen scheint allerdings leicht erhöht (ca. von 2,5 auf 3,5%). Dieses Zusatzrisiko ist nach heutigem Wissen eher durch Veranlagung bei den Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch als durch die Methode der Zeugung bedingt. Zwischen IVF- und ICSI-Kindern fand sich bezüglich Anomalien kein Unterschied. Es wird auch angenommen, dass durch ICSI - zur Überwindung männlicher Unfruchtbarkeit - gezeugte Söhne ebenfalls von Fruchtbarkeitsproblemen betroffen sein könnten.
Das Risiko für Fehlbildungen steigt auch nach "normaler" Zeugung mit dem Alter der Eltern.
Frühgeburten und unterdurchschnittliches Geburtsgewicht sind auch bei Einlingen nach IVF/ICSI häufiger, daher werden intensivere Kontrollen während der Schwangerschaft empfohlen.
- Andere Risiken
Nach dem Transfer kann sich der Embryo statt in der Gebärmutter selten auch ausserhalb dieser, z.B. im Eileiter, einnisten. Eine dann entstehende Eileiterschwangerschaft kann u.U. gefährlich werden und sollte deswegen rechtzeitig - durch frühe Ultraschalluntersuchung - ausgeschlossen werden.
Es ist wichtig, dass Sie uns mitteilen, ob bei Ihnen selbst, oder engen Verwandten, abnorme Gerinnselbildungen (Thrombosen, Embolien) aufgetreten sind. Dies müsste ev. vor der Behandlung abgeklärt werden. Auch sonst müssen wir über Vorerkrankungen, Risikofaktoren, Allergien informiert sein.
Psychische und körperliche Belastungen:
Fortpflanzungsverfahren sind intensive und daher belastende Behandlungen. Das Paar muss dabei viele Unannehmlichkeiten über sich ergehen lassen, obwohl wir uns andauernd bemühen, diese zu minimieren. Nebenwirkungen der Medikamente (lokale Reaktion auf die Injektion/Pflaster, passagere Wassereinlagerungen mit einer gewissen Gewichtszunahme, "Spannen" in den Brüsten, Druck im Unterbauch durch das Wachsen zahlreicher Follikel, später Zysten an den Eierstöcken (mildes HSS).
Die zum Teil schmerzhafte Prozedur der Follikelpunktion zur Eizellenentnahme. Der Transfer. Das Warten und Hoffen vor jedem Schritt der Behandlung, wobei auch Enttäuschungen auftreten und zu verkraften sind. Nach dem Transfer das Hoffen und Bangen ob es "geklappt" hat. All dies konzentriert sich auf einen kurzen Zeitraum und kann die Betroffenen stark fordern, ja überfordern. Einige haben Mühe ein negatives Resultat, mit dem realistischerweise zu rechnen ist, zu verkraften. Die psychischen Anforderungen werden häufig als belastender als die körperlichen erlebt. Während der Behandlung kann auch das Sexualleben beeinträchtigt sein. Zusätzlicher Stress kann dadurch entstehen, dass intensive Behandlungen wie IVF sich nicht leicht in den Alltag (Beruf!) einbauen lassen. Haben Sie keine Hemmungen mit uns über all diese Probleme zu sprechen.
Rechtliche und finanzielle Aspekte:
Die in der Schweiz geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen werden kurz besprochen. Interessierten stellen wir das Fortpflanzungsmedizingesetz und die dazugehörige Verordnung in voller Länge zur Verfügung.
Finanzielle Aspekte werden ebenfalls besprochen.
Varia:
Adoptionsinteressierten helfen wir gerne weiter (z.B. Adressen von Beratungsstellen).
Falls Sie zu irgendeinem Zeitpunkt psychologische Begleitung wünschen, können wir Ihnen ebenfalls weiterhelfen. Wir arbeiten mit zwei psychosomatisch orientierten Frauenärztinnen zusammen, die sich auch mit den speziellen Problemen bei der Sterilitätsbehandlung gut auskennen.
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